Mein Liebestagebuch

In meinem Freund*innenkreis kamen wir zuletzt ins Gespräch über Erinnerungen – an Menschen, die uns mal besonders wichtig waren oder mit denen wir besondere Momente geteilt hatten. Eine Freundin stellte fest, dass es ihr schwer fiele, in ihrem Kopf überhaupt nur alle die Menschen zusammenzukriegen, mit denen sie in ihrem Leben schon Sex gehabt hatte, und machte sich in den folgenden Tagen daran, mal eine umfassende Liste zusammenzustellen. Dabei wurde klar, wie innerhalb weniger Jahre die Erinnerungen an verschiedene Situationen sich miteinander vermischen können, wie leicht zeitliche Reihenfolgen durcheinandergeraten und so weiter. Mit gemeinsamer Rückerinnerung an verschiedene Situationen schaffte sie es dann aber doch ganz gut. 🙂

Ich fühlte mich davon inspiriert und sponn den Gedanken weiter: wie könnte ich sicherstellen, dass ich in ein paar Jahren mich noch richtig an diese Menschen und Situationen erinnern würde? Ich sehe mein Liebesleben als einen Entwicklungsprozess, an dem ich besonders in den letzten Jahren ganz massiv gewachsen bin. Ich will aber auch nicht vergessen, wo ich herkam und darüber reflektieren können, was früher war. Nach einiger Überlegung öffnete ich ein neues Textdokument auf meinem Rechner und tippte die folgenden Zeilen:

Liebes Tagebuch (haha, verstehst du den Wortwitz? :3),

so etwas wie dich hatte ich in meinem Leben noch nicht. Und wahrscheinlich werde ich auch tatsächlich nicht täglich in dich schreiben, vielleicht bist du auch mehr eine Art Logbuch.

Dich gibt es, weil ich jetzt 27 bin und schon eine ganze Menge erlebt habe. Mit Menschen, die mir wichtig sind oder es mal im Leben waren. Und ich möchte mich gerne zurückerinnern können, wie es früher war – aber mein Gedächtnis ist teilweise wie ein Sieb, oder es vermischen sich so viele Dinge dabei, dass es schwierig wird.

Ich möchte hier in dir einerseits Steckbriefe von Personen anfertigen, die ich liebe oder geliebt habe; egal ob jetzt auf romantische oder erotische Weise. Nicht jede Person, mit der ich mal Sex hatte, wird hier auftauchen – die, die es tun, sind mir auf besondere Weise wichtig. Und ja, du darfst dich über teils schlüpfrige Bilder freuen, die ich dir anvertraue. Ich hab da in meinem Leben schon so einigen Cuties begegnen dürfen… 🙂 Aber auch über Veranstaltungen, die mich in meiner Liebes-Entwicklung bereichert haben, möchte ich hier schreiben. Und last but not least will ich anfangen, zu jeder Person mit der ich in meinem Leben irgendwann mal Sex hatte zu dokumentieren, wann und wo und unter welchen Umständen es dazu gekommen ist.

Mein Liebestagebuch ist ein einfaches Textdokument auf meinem Rechner. Die Textverarbeitung LibreOffice kann es direkt mit einem langen Passwort verschlüsseln und damit vor fremdem Zugriff schützen. Es wird trotzdem sicherheitshalber nicht in einer Dropbox oder sonstwo landen und auch niemals gedruckt vorliegen, denn die Informationen sind wirklich ausschließlich für meine Augen bestimmt.

Ich begann chronologisch bei meiner ersten Jugendliebe (mit der ich nie eine Beziehung oder Sex hatte). Die Erinnerung daran war schön. Ich schrieb über meine großen Unsicherheiten, über meine Enttäuschung als es nicht klappte, aber auch über die schönen Momente und wie es mich dann zu meiner ersten Beziehung führte. Die Wörter flossen nur so in die Tastatur. Ich umrahmte die Steckbrief-Texte bald mit einigen sehr hübschen Fotos (Tipp: „Rechtsklick“->“Bild kompromieren“ verhindert, dass das Textdokument hinterher hunderte Megabyte auf die Waage bringt) – auf der ersten Seite ganz normale aus unserem Beziehungsleben, auf der zweiten Seite dann auch pornografische, die wir gemeinsam aufgenommen hatten.

Ich schreibe zu allen Personen auch über den Sex den wir hatten, was ihn auszeichnete und was ich insgesamt an diesen Menschen wertschätze. Wie ein roter Faden schlängelt sich mein Beziehungs- und Liebschaftsleben nun durch mein Liebestagebuch. Es ist ein Ort für mich geworden, in dem ich ganz für mich alleine meine Geschichte erzählen und in Erinnerungen schwelgen kann. Es ist noch nicht fertig, und über die Veranstaltungen wie z.B. Sex- und Playparties, die mich geprägt haben, habe ich noch nicht einmal begonnen zu erzählen. Aber wie mein Liebesleben ist eben auch das ein Prozess, und ich nehme mir gerne einmal Zeit dazu, wieder etwas hinzuzufügen. In der Hoffnung, dass sich auch in fünf oder zehn Jahren meine Erinnerung an diese Zeiten sich wieder auffrischen lässt.

Wie handhabt ihr dieses Thema? Dokumentiert ihr eure Liebschaften und Beziehungen in irgendeiner Form? Welche Methoden funktionieren für euch und was klappt einfach mal so gar nicht?

Natanji schreibt auch auf femgeeks.de und natanji.wordpress.com.

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Submission

Bei der Geburtstagsfeier eines guten Bekannten habe ich A. kennengelernt. A. sah wirklich sehr gut aus: er hatte eine männliche Ausstrahlung, die ihn zu einer Karriere in Hollywood hätte tragen können. Er war elegant und geschmackvoll gekleidet, sein Anzug betonte seine athletische Figur, war sichtbar teuer und saß als wäre er von einem Top-Schneider nach Maß gemacht. Er war etwa dreißig Jahre alt. Ich wusste, dass er Betreiber eines Puffs in Neukölln war. Ich kannte mich im Milieu ein wenig aus, denn ich finanzierte mein Studium, indem ich an zwei Nachmittagen pro Woche in einem Edelbordell arbeitete. Meine Affäre mit A. begann noch am selben Abend.

Die erotische Erfahrung war eine Sensation. Ich spreche bewusst von der „erotischen“ Erfahrung, denn das Erlebnis ging weit über die sexuelle Explosion hinaus. Niemals zuvor hatte ich eine solche tiefe Sexualität erlebt. Kein Mann hatte je in dieser Weise zu mir gepasst. Den Treffen mit A. fieberte ich entgegen. Sie fanden zunächst in einem Hotelzimmer statt. Nach zwei Wochen verlegte er sie in seinen Puff. Nach einer weiteren Woche fragte er mich, ob ich für ihn arbeiten wollte. Er stellte die Frage, als wir gerade miteinander schliefen. Ich sagte sofort ja.

Er erklärte mir worum es ihm ging. Eine gutaussehende deutsche Studentin, blond, würde die Attraktivität seines Ladens bei der Klientel enorm erhöhen. Dafür würde es ausreichen, wenn ich nur gelegentlich dort arbeitete. Die Einnahmen würden 50:50 geteilt, ich hätte einen Sonderstatus, aber einige Spielregeln müssten wir einhalten, um die Stimmung unter den Frauen nicht zu verderben. Wir vereinbarten, dass ich an den Freitagnachmittagen ab 14 Uhr in seinem Puff Dienst tun würde.

Meine Auftritte begannen stets mit einem Treffen mit A., bevor ich mich der Kundschaft zuwandte. Ich hatte nie mit oder für einen Zuhälter gearbeitet, und mir war klar, dass A. ein solcher war. Der Gedanke elektrisierte mich und steigerte meinen sexuellen Genuss noch weiter. Im Rückblick sehe ich deutlich, neben der Grenzüberschreitung in diesem Abenteuer, die submissive Komponente in dieser Beziehung, die in der Unterwerfung unter seine „Spielregeln“ lag.

Am dritten Freitag schon kam es dazu, dass eine Verpflichtung in meinem „bürgerlichen“ Leben mich daran hinderte, pünktlich um 14 Uhr im Puff zu erscheinen. Zwar hatte ich noch versucht, A. anzurufen, hatte aber nur seine Sprachbox erreicht. Als ich mit 90-minütiger Verspätung eintraf, empfing man mich mit eisiger Miene. Die Empfangsdame führte mich in einen Nebenraum, in dem Getränkekisten lagerten. Unpünktlichkeit ist im Sexgewerbe ein intolerables Vergehen. Die Geschäftsleitung werde beraten, welche Folgen mein Verhalten für mich haben sollte. Ich musste fast eine Stunde in dem Kabuff warten, bis ich in das Büro gerufen wurde, wo A. und zwei seiner Leutnants saßen.

Durch meine Schlamperei hatte ich einen Termin mit einem wichtigen Kunden verpasst, der ohne mein Wissen vereinbart gewesen war. Meine Strafe bestand zunächst darin, dass ich diesen Termin am selben Abend nachzuholen hatte, zwei Stunden und ohne Bezahlung. Außerdem müsste ich man nächsten Tag eine Sonderschicht leisten, die außerhalb des Ladens stattfinden würde. Ich würde an einen Pauschalclub in dem Teil Neuköllns „ausgeliehen“, den man von Istanbul nicht unterscheiden kann. Auch für diese Sonderschicht würde ich keinen Lohn erhalten. Am nächsten Morgen hätte ich um 8 Uhr vor dem Laden zu warten, dass mich der Fahrer zu der Arbeitsstätte bringen würde. Ich nahm die Strafe an. Später kam A. auf mich zu und sagte, er hätte sich sehr für mich eingesetzt, dass die Strafe so mild ausgefallen sei. Im übrigen sollte ich am nächsten Tag nicht viel mitbringen, was ich benötigte würde gestellt.

Am nächsten Morgen war ich pünktlich um 8 Uhr vor dem Laden. Es war ein heißer Julitag. Rund um mich herum begann ein reger Einkaufstag. Der Fahrer kam mit einem aufgemotzten Ford eine halbe Stunde zu spät. Auf der Fahrt fragte er mich, wofür ich bestraft würde. Ich sagte es ihm und er nickte. Er fand es in Ordnung. Vor dem schäbigen Eingang unseres Ziels angekommen nahm er mir die Handtasche ab, warf mich aus dem Auto und beobachtete, wie ich den roten Klingelknopf drückte.

Der Türsteher war vorgewarnt und ließ mich sofort ein. In dem Vorraum wurde mit den Gästen das Finanzielle geregelt: in einem Pauschalclub zahlt der Gast einen Festbetrag, damit ist alles andere frei. Durch einen schweren Vorhang betritt man den Hauptraum, einen niedrigen Saal, in dem auf beiden Seiten etwa ein halbes Dutzend kleine Abteile durch hölzerne Wände abgetrennt sind, in die man sich auf niedrige Betten zurückziehen kann. Zum Hauptraum lassen sich diese Separés durch Vorhänge schließen. In der Mitte des Raums sah ich eine Theke mit Barhockern, ein paar Sofas und Sessel, Tische und Stühle. Ein Flur führt zu Umkleideräumen, Duschen und Toiletten. Etwa vier Frauen lehnten lässig und gelangweilt auf den Barhockern und Stühlen. Sie waren alle schwarzhaarig, südländischer Typus, wahrscheinlich rumänisch, bulgarisch oder ähnlicher Herkunft. Sie waren alle jung, um die Zwanzig, schlank oder ein wenig füllig. Sie waren alle nackt. Die Männer, es waren vielleicht acht, hatten sich umgedreht und schauten den Türsteher, vor allem aber mich an. Sie waren alle ebenfalls schwarzhaarige Südländer, höchstwahrscheinlich Türken, um die Vierzig, meistens mit Bauch. Sie hatten sich Badetücher um die Hüften gebunden. Bei zweien oder dreien der Holzverschläge waren die Vorhänge zugezogen. Der Türsteher wies mich in den Umkleideraum für die Frauen. Ich hatte nicht viel auszuziehen und erschien kurz darauf wieder im Hauptraum, nackt.

Die Wirkung meines Auftritts war enorm. Ich war die einzige blonde und deutsche Frau im Saal. Türken, überhaupt Südländer lieben es, wenn deutsche Frauen es mit ihnen machen, vor allem wenn die Frauen blond sind. Ich trat also meine Strafe an und lernte nach und nach die Holzverschläge alle kennen. Südländer sind meistens sehr direkt und zielstrebig, dabei wenig rücksichtsvoll. Im Geschlechtsakt sehen sie vor allem die Bestätigung ihrer Dominanz, die ihnen wichtiger ist als der eigentliche sexuelle Genuss. Das war der Grund dafür, dass man diese Bestrafung für mich gewählt hatte: ich sollte lernen, mich in diese Disziplin einzufügen. Gewöhnung ist einer der wichtigsten Tricks in der Prostitution, um die Hemmschwellen zu eliminieren, die die Frau von der vollständigen Hingabe trennen könnten. Und in der Tat hat diese Strafaktion einen solchen psychologischen Effekt auf mich gehabt, der durchaus dauerhaft war. Die Rituale der Zuhälter gründen auf alten Erfahrungen und einem instinktiven Verständnis der seelischen Mechanismen,  mit denen ein Grundeinverständnis der Frau mit ihrer Rolle hergestellt wird.

Körperlich war das Erlebnis anstrengend, das sicherlich. Aber es hatte auch einen wild-süßen Beigeschmack für mich, den ich als submissive Neigung deute. Die Unterwerfung unter diese Strafe, diese Disziplinierung gab mir einen besonderen Kick. Es war nicht das erste Mal, dass ich das an mir feststellte, aber hier wurde es mir sehr deutlich. Gewiss gab es auch dieses Gefühl der Selbstbestätigung durch dieses Begehrtwerden, aber das stand an dieser Stelle nicht im Vordergrund.

Im Rückblick: eine Szene wie in einem Traum. Eine wichtige Station in meiner Reise in mein eigenes Selbst. Ein Erfahrungsgewinn, ein Selbstversuch. Ein weiterer Schritt.

50 Shades of Schublade

Ich habe lange nicht mehr hier gebloggt, aber ich muss meinem Ärger Luft machen. Über 50 Shades of Grey. Ohne den Film gesehen zu haben. Mich regt daran so viel auf. Ich muss das hier loswerden, weil ich kann und will mich nicht outen. Und egal, wieviele Leute meinen, der Film mache BDSM salonfähig, ich halte dagegen. Der Film macht alles mögliche, aber er trägt nicht zum besseren Verständnis oder der größeren Akzeptanz von BDSM bei.

Aber der Reihe nach …

BDSM kennt Grenzen!

First things first, ein Vorwurf den nicht nur ich dem Film mache, sondern viele andere vor mir: Das ist sexuelle Belästigung (und einiges anderes), nicht BDSM. Christian Grey missachtet mehrfach Anas Protest, Unsicherheit, Souveränität … zusammengefasst: ihre psychischen und physischen Grenzen. Die Grenzen des (Spiel)partners zu achten ist eine Grundfeste von BDSM.

Ob das mit Safewords, Checks (nachfragen während des Spielens) oder mit Vertrauen, das aus tiefer Zuneigung, viel Kommunikation und viel gemeinsamer Erfahrung entsteht, gewährleistet ist, ist letztlich unwichtig. Ja, es gibt Leute, die auf Safewords verzichten und die auf „consensual non-consent“ stehen, also das bewusste, einvernehmliche Missachten von Grenzen … aber Ana ist Jungfrau, und das ist nun wirklich nicht die Art BDSM, mit der man starten sollte – glaubt mir das, ich weiß, wovon ich spreche. Zitat aus meinem eigenen Leben, als ich Mitte 20 war, Kurzfassung: „Ich bin übrigens noch Jungfrau.“ Antwort: „Oh … ich stehe auf BDSM.“

Bis er und ich Sex hatten, vergingen nach diesem Gespräch fast zwei Wochen. Bis zum ersten, zaghaften Herantasten an BDSM noch viele weitere. Ich habe mich zu 100% gut aufgehoben gefühlt – mit all meinen Unsicherheiten, Ängsten und Verständnisproblemen (fast alle Klischees, die ich heute kritisiere, habe ich selber geglaubt). Aber er war es mir wert, es zu versuchen … so wie damals, als es überhaupt zu dem erwähnten Dialog kam, was hier nachzulesen ist. Und ich bin, wie man so sagt, reingekippt. Und vielleicht schon etwas informierter und sogar mehr kinky als er – wobei, ob man das objektiv messen kann? Ist auch egal.

Jedenfalls hätte ich es nie zugelassen, so zu behandelt werden wie Ana. Und es ist widerlich, auf welche Art und weise BDSM hier mit Missbrauch vermischt wird und wie Grenzüberschreitungen normalisiert werden.

Nicht jede körperliche Züchtigung ist Missbrauch!

50 Shades of Grey kann man aus vielerlei Gründen (hab ich gelesen) verabscheuen: Es ist ein schlechter Film, ohne Erotik, ohne Charme. Was mich aber eben ganz besonders stört, ist dass durch die oben schon erwähnte Vermischung von BDSM und Grenzüberschreitungen auch der Eindruck entsteht, dass JEDE Art von körperlicher Züchtigung Tabu sei. Masochismus ist – sofern für Konsens, Vernunft und Sicherheit für beide Beteiligten gesorgt ist – nichts Abscheuliches.

Ich bin zwar wohl eher eine gemäßigte Masochistin, aber es ist aus vielen Gründen sehr schwer, sich und anderen das einzugestehen. Es gehört sich nicht, Schmerz geil zu finden. Und schon gar nicht will man als Feministin den Eindruck vermitteln, man fände physische Gewalt an Frauen per se ok oder gar antörnend. Mit Masochismus ist im Vergleich zu Sadismus sogar soviel mehr Stigma verbunden, dass obwohl ich das alles hier schreibe, ich mich lieber als sadistische Top outen würde, als als masochistische Sub.

Dennoch: Wenn (zwei) erwachsene, zurechnungsfähige Personen Spaß daran haben, einander einvernehmlich Schmerzen zuzufügen, dann gibt es dagegen nichts zu sagen.

Nicht alle Frauen sind submissiv!

Ein Phänomen, das mich regelmäßig auf die Palme bringt: Fast immer werden – in Pornos oder in Mainstream-Filmen wie 50 Shades of Grey – die Frauen als die Submissiven gezeigt; sogar als „von Natur aus submissiv“, Männer dominant. Auch im filmisch wesentlich wertvolleren „Secretary“. Ich frag mich nur: Wieso sind dann die ganzen Foren, Reddits, FetLife Threads voll mit Männern, die verzweifelt nach Dommes, Dominas oder Herrinnen (etc.pp.) suchen? Oder ihre zuckersüße Freundin magisch dominanter machen wollen. Ich lese das täglich.

Ich zum Beispiel schwanke zwischen beiden Extremen, manchmal von Tag zu Tag, manchmal von Monat zu Monat. Manchmal fühle ich mich dominant, und eine einzige Berührung von meinem Freund macht mich streichelweich und unterwürfig. Oder umgekehrt, ich stelle ihm frei, mit mir zu tun, was er will (er kennt meine Vorlieben und wir nutzen Checks bzw. Safewords), aber er tut irgendwas submissives und ich hab ihn 10 Minuten später ans Bett gefesselt. 😉  Ich fühle mich in beiden Rollen wohl – mal mehr in der einen, mal mehr in der anderen. Ich würde keine aufgeben wollen.

Viele Menschen sind wohl auf Dom(me) oder Sub festgelegt, aber davon abgesehen, meine Theorie: Viel mehr Leute als wir annehmen, Männer und Frauen, sind sexuell submissiv oder fühlen sich öfter submissiv. Weil wir im Alltag ständig Verantwortung tragen müssen, Entscheidungen fällen, wissen wo’s lang geht – auch wenn alles ständig verwirrter und unsicherer wird, sei es am Arbeitsplatz, in der europäischen Wirtschaftssituation, in der Diskrepanz zwischen erlernten und (von sich selbst) erwarteten Geschlechterrollen … es tut gut, sich mal fallen zu lassen und jemand anderen entscheiden zu lassen. Jemand, der es im Endeffekt gut mit einem meint und auf einen achtet – und, wie oben ausgiebist beschrieben, die eigenen Grenzen achtet.

Ich merke das bei mir – je mehr Stress ich in der Arbeit habe, je mehr Verantwortung ich übernehme, desto öfter sehne ich mich abends danach, einfach nicht nachdenken zu müssen sondern einfach zu tun, was er mir sagt. Und auch so versaut sein zu dürfen, wie ich bin, ohne meine Vernunft und brave Erziehung dazwischenfunken zu lassen.

Man mag nicht BDSM, weil man missbraucht wurde!

Christian Grey mag ja angeblich BDSM, weil er von einer Freundin seiner Mutter missbraucht wurde. Damit wiederholt man die alte Leier, dass BDSMler traumatisiert, psychisch krank oder gestört seien. Und das mag auf manche zutreffen, wie es in jeder x-beliebigen Gesinnungsgemeinschaft welche gibt – aber es ist NICHT der Auslöser, der einen kinky macht.

Nicht alle Kinkster wurden missbraucht und nicht alle Missbrauchsopfer werden kinky. Wenn jemand (angeblich werden Opfer ja oft zu Tätern) missbraucht wurde und deshalb andere missbrauchen „will“ oder „muss“, dann ist er/sie ein/e SexualstraftäterIn und nicht Kinkster. Ende der Debatte.

BDSM, das neue Kuriositätenkabinett?

Mit BDSM (oder was Medienmacher dafür halten) lässt sich derweil gutes Geld verdienen. Man wirft alle oben genannten Schubladisierungen in einen Topf, mischt noch eine Prise gefährliches Halbwissen dazu und stellt BDSM als neuesten Trend in Sachen Absurdität zur Schau. Und ruft gleichzeitig zum „Aufpeppen“ des öden Sexlebens auf, weil ein bisschen kann man sich von den Perversen ja abgucken, ne? Ich will gar nicht wissen, wieviele Menschen deshalb in peinliche Situationen geraten, oder gar in der Notfallambulanz landen.

Man fesselt als Neuling nicht einfach jemand mit grauen Seidenkrawatten – das rutscht viel zu sehr! Und Kabelbinder werden immer nur enger und schnüren leicht das Blut ab – in diesen Artikeln steht NIE wie man Knoten macht oder dass man eine Schere (am besten eine speziell dafür) zur Hand haben sollte.

BDSM ist – in vielen seiner Ausprägungen – auch Handwerk. Und auch wenn mir „Lebenseinstellung“ für mich persönlich ein klein bisschen zu weit geht, dann möchte ich doch meinen, dass es mehr ist als ein Trend, den man so im Vorbeigehen ausprobieren kann, ohne sich zu informieren, darüber zu lernen und ausgiebig mit dem/der/den PartnerInnen darüber zu reden.

Nehmt den Scheiß ernst, Leute! Nehmt uns ernst. Und wenn alles geklärt ist, dann nehmt uns. Gerne auch hart. 

Beziehungssex: Yay!

[Disclaimer: Dies ist mal wieder eine persönliche Abhandlung eines Themas, in das ich natürlich nur begrenzt Einsicht habe. Tiefere Betrachtungen dysfunktionaler Beziehungen klammere ich aus, sowohl, weil dies den Rahmen sprengen würde, als auch, weil ich mich dazu nicht qualifiziert genug fühle, und nicht zuletzt, weil ich beispielsweise Machtdynamiken und Sexualität an dieser Stelle konzeptuell getrennt lassen möchte. (So künstlich diese Trennung in der Realität auch sein mag.)]

 

Mein erstes Mal war ohne Schmetterlinge im Bauch, zwar mit Vorsatz, aber zu nervös um enthusiastisch zu sein. Ich war mit diesem Mann nicht zusammen und würde es auch nie sein. Ich war noch nicht einmal darauf aus. Es war kein besonders positives, aber auch kein besonders negatives Erlebnis. Es war halt. Ich musste noch lernen. Ich wollte noch lernen.
Überhaupt zögerte ich in meinen früheren Single-Zeiten nie sonderlich, mit jemandem „in der Kiste zu landen“. Sex an sich war für mich persönlich nie eine große Angelegenheit. Aufregend ja – tatsächlich reagiere ich noch heute mit einem gereizten Magen auf Sex mit einer neuen Person –  und oftmals auch sehr schön, aber nicht dramatisch oder sinnstiftend.

Etwas anders ist das, so sagt man uns, wenn man Sex in einer romantischen Beziehung hat: In monogamen Beziehungen schwingt oft unausgesprochen – weil per default – eine Art gegenseitige Verpflichtung mit, für die sexuelle Zufriedenheit der anderen Person „zuständig“ zu sein. Wie sonst soll man sich auch sexuell aufeinander beschränken? Und das ist ja das, was man in einer romantischen Beziehung tut, sagt man uns seit kleinauf. Auf diese Weise wird Sex dann aber doch sinnstiftend, bisweilen sogar zu einer dramatischen Angelegenheit, denn Sex wird zum Gegenstand eines „Vertrages“, dessen Kleingedrucktes ohne konkrete Absprachen zu vage gehalten ist, um sich im Konfliktfall auf diese vermeintlichen Abmachungen verlassen zu können.

Sex in einer Beziehung kommt daher mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit einem Rattenschwanz an Anforderungen und Erwartungen. Das gilt natürlich längst nicht nur für Sex: Die „bessere Hälfte“ hat nunmalhalt implizit die Aufgabe, möglichst Perfekt in ihrer Komplementarität zu sein. Aber Sex ist etwas, von dem wir erst einmal lernen, dass es Exklusiv für Beziehungen wäre. Und somit ist es wahrscheinlich problematischer, wenn man sexuell in einer monogamen Beziehung nicht (mehr) harmoniert, als wenn man zum Beispiel ein Hobby nicht teilt. Woher soll man „es“ auch bekommen, wenn nicht vom/von der Partner_in, mit dem/der man in einer sexuell exklusiven Beziehung ist? Und so kommt es schnell zu einer Kompromissbereitschaft, die womöglich für beide Seiten suboptimal ausfällt.

Trotzdem habe ich meinen monogamen Beziehungssex genossen: Zum einen, weil Beziehungssex für mich immer Sex mit einem Menschen war, dem ich vertraute, den ich kannte und auf den ich mich daher leicht einstellen konnte. Gleichzeitig ist es schön mit jemandem Sex zu haben, der meinen Körper hinreichend gut kennt um mir zielsicher einen Orgasmus zu beschehren. Wobei all das natürlich nicht nur romantischen Paarbeziehungen vorbehalten ist, sondern etwa auch „friends with benefits“.
Ein anderer, sehr wichtiger Aspekt speziell an der Monogamie war, worum ich mich eben nicht kümmern musste: Auszuhandeln, wie frei die Wahl von Sexpartner_innen außerhalb der Beziehung sein darf; wie man mit Safer Sex nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb der Beziehung umgehen möchte; wie viel man von dem nicht gemeinsamen Sexualleben der/des Anderen wissen möchte; wie man mit romantischen Gefühlen zu Dritten umgehen will; ob Sexualkontakte stets vorher individuell abgesprochen werden müssen;…
Und ja, es hat mir damals auch einfach gefallen, nicht mit den Unsicherheiten leben zu müssen, die die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Fragen bringt. Denn auch, wenn die Einigung auf Monogamie nicht bedeutet, dass man vor all diesen Fragen sicher ist (garantierte Treue gibt es halt nicht), fühlt sich eine offene Beziehung nach… nunja, einer sperrangelweit offenen Tür an, wo man im Fall einer monogamen Beziehung eben nur eine angelehnte zu haben meint.
Der vielleicht wichtigste Aspekt am Beziehungssex ist für mich aber, dass es für mich tatsächlich einen Unterschied macht, ob Liebe im Spiel ist oder nicht: Ich ziehe mehr Befriedigung aus empathischen Beobachtungen der Körperreaktionen der/des Anderen wodurch sich die Lust gegenseitig aufschaukelt. Und das Kuscheln danach macht mich glücklicher als mit einem anderen Menschen. Für mich passen Liebe und Sex gut zusammen, auch wenn sie nicht untrennbar sind. Das ist eine Typfrage, aber sicherlich eine, die mir persönlich das Liebesleben bisher versüßt hat.

Sicher: Beziehungssex kann einschlafen. Damit wiederum habe ich selbst wenige Erfahrungen. Meine wenigen Erfahrungen machen da bisher auch nicht optimistisch: Ist die Lust beidseitig eingeschlafen, ist die Motivation, etwas an der Lage zu ändern, auch begrenzt. Und an sich ist das ja auch nichts, was problematisiert werden müsste: Wenn man weniger Lust hat, gibt es eben auch weniger Gründe Sex zu haben. Problematisch wird das, wenn die Lust entweder nicht symmetrisch abflacht und/oder wenn jemand Neues das sexuelle Interesse wieder erweckt und man daraufhin merkt, was man „vermisst“ hat. Das entspricht zumindest meinen direkten und indirekten Erfahrungen: Man sieht keinen Grund zum Handeln, „lernt“ dadurch, dass sich in der Beziehung sexuell nichts mehr ändern wird und wird dann durch eine andere Bekannstchaft daran erinnert, dass die eigene Lust noch immer stark und lüsternd ist. Und dann ist die Frage: Was nun?
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie gut man eingeschlafenen Beziehungssex wieder beleben kann. An dieser Stelle wird man von mir daher keine konstruktiven Gedanken erwarten können. Für mich persönlich ist das Abflachen der Lust aufeinander etwas, das ich mit dem Ende einer Beziehung in Verbindung bringe, weil ich es mit meinen Partnern, wenn es auftrat, nicht überwunden habe. Inzwischen mag ich Sex aber nicht mehr zur kritischen Ressource in meinen Beziehungen erklären. Ich liebe meinen Beziehungssex aus all den oben genannten Gründen, aber ich möchte nicht, dass mein Partner und ich sexuell füreinander „zuständig“ sind. Das ist keine Lösung, da es ja wie oben beschrieben völlig andere Probleme aufwirft, aber in einer Phase, in der aus praktischen Gründen Sex über Monate sehr selten war, merke ich schon ein wenig, dass „Ich könnt mir ja wen anders für den Sex zwischendurch suchen“ durchaus entspannend sein kann – für beide Seiten – sofern die Problemstellungen einer offenen Beziehung keinen größeren Leidensdruck als den einer exklusiven Beziehung hervorrufen.

 

Unterm Strich ist Beziehungssex also durchaus eine hoch komplexe Sache und das zum Teil, gerade weil es uns als das einfachste und natürlichste der Welt dargestellt wird. Beziehungssex ist daher etwas, das man als persönliches Versagen empfinden kann, wenn dieser nicht gut läuft oder gar zum Ende einer Beziehung führt. Gleichzeitig kann der Sex selbst aber durchaus einer der unkompliziertesten überhaupt sein, da man sich langfristig aufeinander einstellen kann, da man die Vorlieben und Kinks der/des Anderen (zu einem gewissen Grad) kennt und weil man (hoffentlich) weiß, wie man sich einfach aber eindeutig Konsens signalisiert. Das ist an romantische Beziehungen zwar nicht gebunden, werden aber viele vor Allem oder sogar ausschließlich aus diesem Kontext kennen. Und dann ist dieser gute Sex doch wohl gut, oder? Gut.

Insofern ist Beziehungssex für mich persönlich bisher und aktuell ein „yay“.

Aufklärung in der Kindheit

An sich waren meine Eltern ja schon recht cool, was Aufklärung betraf: Unsere erste Aufklärungslektüre hatten ich und mein Bruder schon im Kindergartenalter. Es war ein Bilderbuch über eine Familie aus Mama, Papa, Tochter und Sohn und auf den ersten beiden Seiten lernten die Kinder in dem Buch, dass Mama schwanger war, woraufhin beide Eltern den beiden Geschwistern im Verlauf der Schwangerschaft erklärten, wie ein Baby entsteht, inklusive Geschlechtsverkehr und den dazugehörigen Geschlechtsteilen. Für die kindgerechte Beantwortung der Frage, woher denn eigentlich die Babies kämen, ist das Buch sicher gar nicht mal so schlecht gewesen, relativ ausführlich und biologisch ziemlich korrekt. Andererseits ist Sex nunmalhalt der Auslöser der meisten Schwangerschaften und nimmt als solcher einen zentralen Punkt im Verständnis der Fortpflanzung ein. Damit wird Sex zu einem zentralen Thema – schon im kindlichen Kopf – und für mich persönlich denke ich, hat die Verknüpfung von Sex und Fortpflanzung sicherlich zu einem Hemmnis im Verständnis menschlicher Sexualität geführt, denn: Sex ist nicht „zur“ Fortpflanzung da. Man kann zwar die biologische Seite von Sex in Form von Anpassungen an Fortpflanzung beschreiben, aber die Evolution oder das „Wohl der Art“ ist beim Sex nicht dabei während die tatsächlich Beteiligten meistens vermutlich andere Gründe als „Kinder machen“ haben, sexuell miteinander zu interagieren.

Tatsächlich ist der Mensch weniger das „einzige Tier, das nicht nur zur Fortpflanzung Sex hat“, sondern vielmehr das einzige Tier, das manchmal tatsächlich mit dem Vorsatz der Fortpflanzung Sex hat. In allen anderen Fällen ist menschlicher Sex für die Beteiligten erst einmal ein Selbstzweck. Und: Das ist doch wohl auch gut so.
Aber eben als solcher wird er nicht vermittelt und somit auch nicht, dass Sex eben auch für nichts gut sein „muss“, dass Sex also sehr viele Formen annehmen kann und sich nicht auf Penis-in-Vagina-Penetration beschränkt.

Ich weiß noch, wie sehr mich meine frühkindliche Aufklärung beeindruckt hat: Ich fand das gesamte Thema spannend, stellte es doch auch meinen Ursprung dar. Ich erinnere mich sogar noch etwas an „Doktorspielchen“ (sollte man die laut Freud nicht vergessen?) und kann eigentlich einen roten Faden von der sexuellen Aufklärung im Kindergartenalter über diese Spiele bis hin zu meinen ersten sexuellen Fantasien ziehen, die alle immer mit Penetrationssex, Penissen und deren Ejakulation zu tun hatten.
Eigentlich möchte ich von mir gar nicht allzu sehr verallgemeinern, aber ist es nicht vor diesem Kontext der „Funktionalität“ von Sex, weswegen heterosexueller Penetrationssex als der „natürlichste“ wahrgenommen wird? Und fällt die klassische sexuelle Aufklärung nicht so ziemlich völlig in dieses Bild?
Natürlich lernt man mit der Zeit mehr: Man liest – z.B. im Internet -, man redet mit FreundInnen, man konsumiert pornografische Inhalte… aber es bedarf vermutlich in der Regel schon einiges an Aufwand und/oder innerer Konflikte, um seine frühen Grundannahmen zu verwerfen und Sex als so frei zu verstehen, wie er letztendlich doch ist: Frei von einem Fortpflanzungs“dogma“ und frei von „wenn ein Mann und eine Frau sich ganz doll lieb haben“.

Für mich persönlich kann ich noch heute feststellen, dass ich die Penetration noch immer beinahe für den unweigerlichen Höhepunkt beim Sex, in dem ein oder mehrere Penisse involviert sind, halte. Das ist mit keinem Leidensdruck verbunden: Ich liebe es ja durchaus, einen erigierten Penis in mir zu spüren. Trotzdem kann ich meine Beschränkungen erkennen und auf einer abstrakten Ebene bedauern, zumal ich mich frage, wie tief diese Grundannahmen und Vorurteile unsere Gesellschaft als Ganzes prägen und inwiefern sie sexuelle Neigungen und Praktiken, die nicht heteronormativ sind, erst einmal (also in unseren frühesten und damit naivsten Annahmen) „undenkbar“ machen und dadurch „Andersartigkeit“ überhaupt erst definieren.

Aber was wäre die Alternative?
Ich bin keine Pädagogin und halte mich daher mit allzu konkreten Ideen zurück, aber könnte man nicht zumindest andeuten, dass Sex vieles bedeuten kann, was erwachsene Menschen miteinander machen und dass bestimmte Formen von Sex zu der ganzen „neue Menschen machen“-Sache führen können? Sicherlich gibt es auch schon Ansätze in dieser Richtung und vielleicht mögen junge Eltern hier auch ihre liebsten Aufklärungsmaterialien nennen. Aufgelöst wird die Verbindung bis Gleichsetzung zwischen Sex und Fortpflanzung jedenfalls nicht sein und das wird sicherlich auch noch ein Weilchen dauern.

Trotzdem bin ich alles in allem sehr froh, so früh schon relativ ausführlich aufgeklärt worden zu sein. Ich halte Aufklärung für gut und wichtig und finde auch, dass man Kinder vor diesem Thema nicht „schützen“ muss. Trotzdem ist gerade frühkindliche Bildung nicht unpolitisch und ich denke, darüber sollte man vielleicht mal reden.

Wann wurdet ihr aufgeklärt und wie? Inwiefern hat es euer Denken über Sexualität beeinflusst und wie sehr hat es euch dabei geholfen und/oder gehemmt, eure eigene Sexualität zu entdecken?

Körperbilder

Sex macht schön. Innerlich. Das Gefühl begehrt, erfüllt zu sein, keine Regeln zu brauchen. Nur den Moment. Sex macht schön. Jeder Zentimeter des Körpers füllt sich mit dem Glauben: Ich bin toll. Post-Orgasmus oder einfach nur nach langem ausgiebigen Betasten eines anderen Körpers. Sex macht schön. Gefühlt schön, den eigenen Körper zu lieben trotz all dieser Dinge, die in anderen Stunden vielleicht als Makel, als Schwachstelle, als nicht ideal in unseren Köpfen herum spuken. Gespenster einer Werbe- und Schönheitsindustrie, Geister erzeugt von unserer eigenen Unsicherheit nicht dem zu genügen, was gemeinhin als Schönheitsideal gilt. Sex macht schön.

Schönheitsideale sind Teil der menschlichen Geschichte und werden in Zukunft ebenso ihre Berechtigung haben wie in der Vergangenheit. Maler, Dichter, Kunst jeder Art nutzt nicht nur den weiblichen Körper als Quelle der Inspiration, doch ebenso zur Kritik gesellschaftlicher Gepflogenheiten. Oscar Wildes Dorian Gray ist ein schöner, unangetasteter Jüngling, dessen Sexappeal und Anziehungskraft von seiner anmutigen Gestalt herrührt – sein Porträt hingegen altert und verfällt mit seinen Verbrechen und seiner wachsenden Verdorbenheit. Schönheit und Verfall als Spiegelbild der Seele.

Schönheitsideale ändern sich ständig oder wie eine Freundin angesichts voluminöser Frauenkörper auf Spätrenaissance-Gemälden sehnsüchtig anmerkte: „Ich bin definitiv in der falschen Zeit geboren.“ Doch so sehr wir manchmal diesen heute – angesichts Silicon-Implantaten und androgyner Modelkörper – so viel natürlicher wirkenden Frauenbildern hinterhertrauern: Extreme hat es immer gegeben, die Versuche den Körper dem anzupassen, was gerade „In“ ist.

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