Sexualität, Lust und Gefahr

Einer der Gründe, warum ich an diesem Blog mitmache, ist die (in meiner Wahrnehmung) Fixierung der feministischen Debatten und medialen Präsenz auf Erfahrungen von Gewalt, vor allem sexueller und sexualisierter Gewalt. Das ist an und für sich ein notwendiger Bestandteil einer größeren Debatte, aber es ist gerade dieser größere Rahmen, der aus meiner Sicht fehlt.

Im sichtbaren feministischen Diskurs erscheint weibliche Sexualität immer als gefährdet. Die Gefahr des Sexismus, der Gewalt, des Angrabschens, der Diskriminierung, usw. usf. lauert an allen Ecken und hat bei mir dazu geführt, dass ich irgendwann Schuldgefühle entwickelt habe, weil ich ….äh…. keine Gewalt erfahren habe. Moment. Äh…. hallo….. das stimmt ja auch wieder nicht! Im Genervtsein von der Fixierung auf Gewalt habe ich ganz vergessen, dass ich auch solche Erfahrungen gemacht habe: Die Erfahrung, dass sich jemand meine Sexualität geklaut hat, ohne mich zu fragen… Und hätte er gefragt, hätte ich nicht zustimmen können. Ich habe nicht beim #aufschrei mitgemacht. Ich habe meine Gewalterfahrungen für mich behalten. Sie gehören mir und ich habe das Gefühl mich selbst zu verletzen, wenn ich sie einer Öffentlichkeit preisgeben würde, die weder an meiner Erfahrung noch an meinen sehr persönlichen Verarbeitungsstrategien interessiert ist.

Weiterlesen