natürlich, menstruieren!

Das große Tabu-Thema Menstruation war heute mal wieder in meiner Timeline: Der Spiegel hat es entdeckt, schreibt aber nichts Neues. 

Dankenswerterweise gab es in den letzten Jahren immer mal wieder ein paar gute Artikel feministischer Autor*innen, die über ihre Perspektive schrieben, über die eigene Körperwahrnehmung, über Schmerzen und was hilft und über Alternativen zu Tampons und Binden. Edit: So eine richtig tolle Idee ist es ja nämlich nicht, mit Watte Schleimhäute trocken zu legen, die nun mal lieber nicht trocken sein sollten. Und Windeln waren schon als Kind ätzend, warum sollte man so etwas freiwillig tragen?

Viele schreiben über Menstassen, die auf Dauer viel günstiger sind weil sie immer wieder benutzt werden können und die sich für viele angenehmer anfühlen und zu weniger Schmerzen führen. Und bei kreativen Eingebungen kann eins hinterher sogar noch was machen mit dem Menstruationsblut.
Ich kenn mich damit nich wirklich aus, ich hab noch nie eine benutzt. Lest gern darüber etwas nach, z.b. bei ringelmiez.

Persönlich habe ich, nachdem das Internet mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass das ja auch eine Möglichkeit wäre, folgendes ausprobiert: menstruieren ohne alles! Also ohne Produkte, die ich dafür kaufen müsste. An dieser Stelle muss ich allerdings dazu sagen, dass ich noch nie sehr stark geblutet habe und mir die Idee auch aus diesem Grund so vorkam, dass es zumindest einen Versuch wert wäre.

Am Anfang fand ich das aber trotzdem eine sehr gewöhnungsbedürftige, seltsame Idee. Quasi ungeschützt rumlaufen und immer Angst haben, dass was „ausläuft“. Und überhaupt, läuft das nicht die ganze Zeit?

Ich habe gelernt: Nein, es läuft nicht die ganze Zeit. Im Gegenteil: Nachts z.b. läuft bei mir generell fast gar nichts. Morgens läuft weniger als nachmittags. Und wenn ich mich bewege, läuft mehr, als wenn ich den ganzen Tag mit Wärmflasche auf dem Sofa liege. Wenn ich viel Penetrationssex habe, läuft sogar so viel, dass das Menstruieren in ziemlich kurzer Zeit erledigt ist. Ich nehme an, die Menstassenbenutzer*innen haben vielleicht ähnlichen Erfahrungen gemacht?

Was mich aber vor allem beeindruckt hat, ist zu lernen: es ist keineswegs so, dass das Menstruationsblut einfach aus dem Körper raus läuft wie aus einem undichten Gefäß. Menstruieren ist nicht wie unter Inkontinenz leiden. Nein, mein Körper hält das Blut eine Weile. Es läuft vor allem dann raus, wenn ich loslasse. Wie beim pinkeln auch. Ich kann also genau das gleiche damit machen: aufs Klo gehen. Wirklich, das ist im Prinzip schon das Geheimnis der „freien“ Menstruation. Mit dem Blut so umgehen, wie wir das mit anderen Ausscheidungen selbstverständlich tun. Der Rest ist Übung.

Der Uterus hält allerdings dann doch nicht so gut dicht wie die Blase (ich frage mich: hauptsächlich wegen der mangelnden Übung?). Das hat am Anfang bedeutet, dass ich viel auf die Uhr gucken musste. Aus Sicherheitsgründen bin ich etwa jede Stunde aufs Klo gegangen. Und dort auch ein paar Minuten sitzen geblieben, um sicherzugehen, dass auch wirklich der ganze Schwall raus ist. Inzwischen merke ich ziemlich gut, wann ich „muss“ und kann mich darauf einstellen. Allerdings sind in den ersten zwei Tagen lange Reisen und Besprechungen nicht wirklich eine gute Idee. So mache ich es seit zwei Jahren und einen Unfall hatte ich in der Zeit genau einmal (Protipp: Blut kalt auswaschen!).

Ansonsten habe ich in der Zeit wirklich viel über meinen Körper und meine Menstruation gelernt. Das „freie“ Menstruieren ist für mich ein Anlass, mehr zu spüren, was da in mir eigentlich los ist und was ich brauche. Gut für selfcare, also.
Für das menstruieren ist schön, wie für andere Ausscheidungen auch, wenn ich die Füße hoch stellen kann. Nicole von Horst hat das schön auf kleinerdrei beschrieben. Insgesamt sind die Regelschmerzen durch das freie menstruieren ein bisschen zurück gegangen, besonders merke ich, dass das Loslassen auf der Toilette sofort dazu führt, dass sich die Krämpfe erstmal lösen. Ich sitze also heute länger auf dem Klo rum, wenn ich Schmerz habe, und liege weniger im Bett. Und danach kann ich inzwischen auch entspannter sein, weil ich aus Erfahrung weiß, dass sich das Blut jetzt erstmal sammelt und gar nichts laufen kann. Ich glaube mit Tampon hab ich trotzdem dauernd unterbewusst versucht, das festzuhalten.

Am besten finde ich daran aber wirklich die Freiheit. Einerseits vom Menstruationsprodukte-Kauf. Ein bisschen weniger Kapitalismus, Geld ausgeben und Müll – das ist doch schon was. Andererseits von dem Gefühl, irgendwie abweichend, krank, behandlungsbedürftig zu sein. Ich habe kein Problem, das sich in unkontrolliertem Auslaufen äußert und ich muss keine medizinisch anmutenden Produkte in mich oder in meine Unterhose stopfen. Ich kenne meine Körperfunktionen und ich geh einfach nur aufs Klo. Sonst nix.

Advertisements

3 Kommentare zu “natürlich, menstruieren!

  1. Sehr interessanter Post. Ich habe allerdings ein paar Fragen zu dem Thema:
    Muss man dann nicht regelmäßig aufs Klo laufen? Was macht man in Situationen, wo das nicht möglich ist? (Abgesehen von zusätzlichem Schutz? ^^) Ich hab‘ diese Frage/n bisher noch nie wo beantwortet gesehen..

    Gefällt mir

    • Am Anfang hab ich schon drauf geachtet, sehr regelmäßig aufs Klo zu gehen. Und bin im Zweifel lieber öfter. Inzwischen merke ich es halt mehr, wann ich mal gehen sollte. Es ist dann eher wie sonstiges aufs Klo gehen. Und die letzten 1-2 Tage reicht auch die „normale“ Klo-Frequenz aus.
      Wenn es nicht geht.. Tja, ich versuche ja generell Situationen zu meiden, wo es keine Toiletten gibt. Dann hab ich so oder so ein Problem. Je nach Situation: Es gibt natürlich die im Wald hin hocken Strategie, wenn es einen Wald gibt – find ich aber nicht so toll, da bin ich unentspannt.
      Ansonsten wenn es wirklich sein muss, würde ich eben doch auf Tampons&co zurückgreifen, aber ich versuche wirklich eher, solche Situationen zu vermeiden.

      Gefällt 1 Person

  2. Schöner Post. Ich mache das seit ein paar Jahren auch, es hatte sich so ergeben, als ich einmal an meinem stärksten Blutungstag den ganzen Tag zuhause war und dann einmal in der Stunde aufs Klo zum abfließen lassen gegangen bin. Das fühlte sich sehr gut an. Ich benutze Binden meist noch zusätzlich, vor allem draußen, und ein Tampon in der ersten Nacht. Wobei ich mir nach dieser Lektüre vorstellen kann, beides künftig wegzulassen…

    Gefällt mir

Mitdiskutieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s