Die Spielgefährtin

14149467162_23bb176027_qDie Spielgefährtin ist nicht nur ein Pseudonym für eine der Autorinnen dieses Blogs. „Spielgefährtin“ ist eine Einstellung, wenn es um Sexualität, Partnerschaft und Beziehungen geht. Und während die Spielgefährtin hier weiblich ist, kann Spielgefährt* jedes Geschlecht, jede sexuelle Orientierung haben.

Die Spielgefährtin spielt. Damit ist natürlich Sex gemeint.

Die Spielgefährtin ist unabhängig und ungebunden. In der stigmatisierenden Sprache von heute würden sie manche entweder als „Schlampe“ oder als „beziehungsunfähig“ beschreiben – für Männer würde wohl „Arschloch“ genutzt werden. Die eine spielt zu viel und ohne sich endlich auch mal zu binden. Die andere hat keine festen Beziehung, weshalb irgendetwas mit ihr nicht stimmt.

Ich drehe hier den Spieß um und sage: Spielgefährt* sein, ist das neue „Single“ oder „Solo“ oder beziehungsunfähig – für all diejenigen, die für kurz oder lang die Entscheidung getroffen haben, Zeit mich sich zu verbringen und mit anderen eben nur zu spielen – und im Spiel gerne auch mit ihnen befreundet zu sein.

Die Spielgefährtin spielt mit anderen – d. h. zusammen mit ihnen. Sie spielt niemals mit Gefühlen. Sie lügt nicht an, sie täuscht nicht vor, sie tut nicht so, als meinte sie es ernst und träume von einer „Beziehung“, wenn sie eigentlich keine will.

Die Spielgefährtin hat eine strenge Ethik, die in dieser Welt der Doppelmoral nicht einfach umzusetzen ist. Es sind so eine Art Gebote – um andere nicht zu verletzen, aber eigentlich auch zum Selbstschutz. Da braucht sich auch die Spielgefährtin nicht hinter dem Schleier des Altruismus verbergen.

Die Spielgefährtin spielt. Aber nicht nur. Sie arbeitet und achtet auf ihre Spielgefährten – Männer, in diesem Fall. Das Ziel der Spielgefährtin ist es irgendwann um die fünf bis sechs Spielgefährt*innenbeziehungen aufzubauen, mit denen sie mehr oder weniger regeläßig spielt. Dazu gehören diejenigen, die woanders leben, die in offenen Beziehungen leben und deshalb nicht so oft Zeit haben, oder diejenigen, die so viel arbeiten und sowieso auch so eine Spielgefährt*innenbeziehung richtig toll finden.

In so einer Spielgefährt*innenbeziehung haben alle ziemlich regelmäßig Sex – und natürlich auch die Spielgefährtin selber. Aber – so habe ich gehört – weniger oft als in einer „echten“ Beziehung. Aber so ist nun mal das Spielgefährt*innenleben.

In so einer Spielgefährt*innenbeziehung haben alle auch ziemlich unterschiedlichen Sex – mit unterschiedlichen orten, Praktiken, Vorlieben. So ist es wahrscheinlich, dass man bei fünf oder sechs stabilen Spielgefährt*innen (und vielleicht hin und wieder ein paar nicht so stabile ….) alle Wünsche und Bedürfnisse, die man beim spielen, beim Sex und beim Kuscheln so hat, ausleben kann. Wir wissen ja alle: Mit einer Person geht nicht alles.

Die Spielgefährtin ist im Idealfall mit ihren Spielgefährten befreundet. Spielgefährt*innen nehmen ihre Freundschaft auch ernst. Sie wissen, wie es ihr geht, was sie macht, was ihre Wünsche und Ängste sind. Spielgefährt*innen sind füreinander da – auch wenn es mal nicht so schön ist im Leben. Aber sie lassen einander die Freiheiten, die in einer „echten“ Beziehung verloren gehen würden.

Es ist eine gewisse unverbindliche Verbindlichkeit, die auf Ehrlichkeit und Kommunikation aufbaut, die das Leben der Spielgefährt*innen prägt.

Die Spielgefährtin mag deshalb diese „echten“ Beziehungen nicht wirklich. Sie hält nichts davon und hat sie – bis auf wenige seltene Fälle – eigentlich immer nur als Lügen- und Verarsch-Veranstaltung erlebt. In den Zeiten, als sie noch keinen Ethik-Kodex hatte, spielte die Spielgefährtin auch noch mit verheirateten Männern, die glaubten mit dem Fremdgehen die Krise in ihrer „echten“ Beziehung entweder zu lösen oder zu überwinden (es hat nie geklappt). Die Spielgefährtin will ja nicht als Ausrede benutzt werden, warum jetzt eine andere „echte“ Beziehung zu Ende gegangen ist, weil sie mitgespielt hat. Denn damit wird der andere Spielgefährte plötzlich aus der Verantwortung genommen. Die Spielgefährtin ist eben kein Spielzeug.

Nein, die Spielgefährtin achtet sehr genau darauf, sich nicht von Pseudo-Spielgefährt*innen instrumentalisieren zu lassen, damit diese glücklich (oder unglücklich) in ihrer Doppelmoral weiterleben können.

Das sagt die Spiegefährtin ihren potentiellen Spielgefährten dann auch immer, dass es Konstellationen gibt, bei denen sie nicht mitmacht. Das ist quasi ein zentraler Bestandteil des ersten Dates: Viel über Sex, Beziehungen usw. reden, damit sie weiß, was da so alles kommen könnte.

Es gibt ja mehrere Konstellationen für potentielle Spielgefährt*innen:

– Sie ticken genauso wie die Spielgefährtin auch und haben sich niemandem gegenüber irgendwie verpflichtet und lügen niemanden an: Das ist super. Es muss aber darauf geachtet werden, dass die Gefühle auf beiden Seiten im Gleichgewicht bleiben (heißt: Wenn sich eine*r verliebt – was auch Spielgefährt*innen passieren kann – muss man darüber reden und aufpassen, dass niemand verletzt wird)

– Sie sind in einer „echten Beziehung“, oft verheiratet und in der klassischen Doppelmoral-Situation: Alle vögeln fröhlich herum, meistens aber nur eine*r – wohlwissend, dass dies die andere Person sehr verletzen würde. Diese Konstellation ist zumindest für die hier schreibende Spielgefährtin ein absolutes No-Go. Und hier muss man beim Kennenlernen ein bißchen tricksen, um die Wahrheit herauszufinden. Und ganz wichtig: Mut zum Nein-Sagen. Egal wie geil manfrau ist. Doppelmoral-Lügner*innen sind keine Spielgefährt*innen.

– Sie sind in einer „Don’t ask, don’t tell“-Beziehung. Das ist für die Spielgefährtin grundsätzlich in Ordnung. Allerdings ist es schwer das nachzuprüfen. Hier ist es also wichtig, dass man auf das Bauchgefühl achtet und wenn man vermutet, dass es eigentlich eine klassische Doppelmoral-Belügungs-Situation ist, dann sollte man sich auf solche Spielgefährt*innen nicht einlassen.

– Sie sind in einer echten „offenen Beziehung“. Sie haben beide Sex außerhalb der Beziehung und sagen sich das auch. Der Vorteil an dieser Konstellation ist, dass man das eventuell nachprüfen kann, weil man die dritte Person auch kennen lernen könnte. Das ist übrigens eine Konstellation, die ich gerade lebe und die mir sehr gefällt. Transparent, ehrlich, offen. Da ist die echte Beziehung (ohne „“), aber auch die Spielgefährtin glücklich. Leider gibt es das viel zu selten.

Spielgefährt*innensuche

Die Spielgefährtin sucht in der Regel online nach Spielgefährt*innen. Aber hin und wieder auch im analogen Leben.

Online gibt es inzwischen genug Webseiten, wo man sich treffen kann und einfach mal nette Leute kennenlernen kann. Hier ist es – wie schon oben gesagt – ganz wichtig, dass man ehrlich bleibt: Bei der Selbstbeschreibung, bei den Wünschen und Beziehungsvorstellungen, bei der Wahl der Bilder. Lieber kein Bild einstellen als eines, was zehn Jahre alt ist. Das ist Verarsche und kein guter Start für eine Spielgefährt*innenbeziehung.

Man muss aber auch nicht zu viel von sich preisgeben – Einstellungen zu bestimmten Themen, dass man z. B. politische interessiert ist oder- keine Ahnung – X oderY gerne macht – ist wichtiger als irgendeine andere Floskel.

Neuerdings las die Spielgefährtin, dass machen Frauen Angst vor sowas haben -weil Angst vor Gewalt und Vergewaltigung. Das kann ich verstehen. Doch hier gibt es viele Tricks und Fähigkeiten. Am wichtigsten ist das Bauchgefühl und das Bauchgefühl des Spielgefährtin hier hat bisher immer recht gehabt.

Beim Online-Dating entscheidet das Bauchgefühl, ob ein Profil gut ist oder nicht, ob man auf einen Nachricht antwortet oder nicht, ob man eine Person trifft oder nicht und, wenn man dann sich persönlich gegenüber steht, ob man mit der Person auch Sex haben möchte. Das Bauchgefühl entscheidet immer.

Natürlich zählen auch die Umstände. Ein erstes Date ist immer an einem öffentlichen Ort – Cafe, Bar, ein Park (wenn auch Leute da sind). Die Telefonnummer wird in der Regel erst nach dem zweiten Date herausgegeben – oder wenn das Bauchgefühl meint: Jetzt. Dabei ist ein bißchen weniger Vertrauen angemessener, als ein bißchen zu viel. Aber Angst muss man keine haben.

Im realen Leben ist die Spielgefährt*innensuche etwas schwieriger. Dort herrscht immer noch ein krass gegendertes Balzverhalten vor. Proaktive Spielgefährt*innen haben es da schwer, weshalb ich im analogen Leben kaum date. Ich hasse es angemacht zu werden. Männer hassen es wiederum proaktiv angemacht zu werden – und wenn man dann so die eigene Einstellung zum Thema Sex erklärt – die Sielgefährt*innentheorie – sind sie sowieso gleich weg. Oder verlieben sich. Beides ist doof. Aber für den Fall er Fälle: Auch hier gilt es: Ehrlich sein und sagen, wie man sich das vorstellt. Und das reicht einmal vermutlich nicht aus, denn Gefühle verändern sich ständig. Das ist nicht nach einmal kurz reden abgehakt.

So viel jetzt dazu.

Mit dem Online-Dating hat die Spielgefährtin ganz gute Erfahrungen gemacht. Sie hat wirklich tolle Spielgefährt*innen gefunden. Gerade ist sie aber leider nur so bei 1 1/2. Mal schauen, ob es auch mal wieder mehr werden 🙂

Ganz wichtig: Spielgefährt*innentum hat nichts mit Polymorie zu tun. Spielgefährt*innen lieben nicht mehrere Leute gleichzeitig. Sie spielen nur mit ihnen und haben sie gern. Aber Liebe – das ist eine andere Liga.

P.S. Ich werde das hier hin und wieder updaten und vielleicht etwas hinzufügen. Stellt mir auch gerne Fragen.

Eure Spielgefeährtin

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2 Kommentare zu “Die Spielgefährtin

  1. Hallo Spielgefährtin,

    danke für dein kleines Manifest 😉
    Ich selbst bin ja aktuell in einer echten offenen Beziehung, auch wenn mein Partner und ich zur Zeit nach keinen Spielgefährt_innen* suchen, sondern eher eine „alles möglich“-Politik fahren, die sich im Alltag kaum ausprägt. Die wenigen Male wo ich tatsächlich mit jemand anderem „gespielt“ habe, habe ich offen über die Erlebnisse sprechen können und nur Mitfreude von meinem Freund geerntet. Es steht noch die Erfahrung aus, wie genau ich auf die umgekehrte Situation reagieren würde, aber ich erwarte schon lange kein Drama diesbezüglich mehr.

    Aktuell bin ich sehr glücklich mit meiner Beziehung, aber rückblickend gab es die ein oder andere Beziehung, die gut und gerne eine Spielgefährt_innen*freundschaft hätte bleiben können. Womit ich offensichtlich nämlich nicht so gut umgehen kann, sind amoröse Gefühle, die mir entgegen gebracht werden. Irgendwie scheine ich verinnerlicht zu haben, mich auf einen „guten Mensch“ einlassen zu „müssen“, als wäre mein Herz tatsächlich etwas, das man sich verdienen könnte und als wäre ich eine Art Belohnung. Das Fehlen von amorösen Gefühlen auf meiner Seite zu akzeptieren, mich von den amorösen Gefühlen des Gegenübers zu distanzieren und mich nicht selbst als „quick fix“ zu betrachten, ist etwas, das ich jetzt hoffentlich langsam gelernt habe.
    Meine Frage an dich wäre: Lag dir das „Abweisen“ von Verehrern von Anfang an, oder musstest du das erst lernen?

    Liebe Grüße
    Der Sperling

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Sperling,

      die Antwort ist einfach: Das „Abweisen“ gelang mir schon immer besonders gut. Man konnte mich schonmal zum Sex überreden, aber nicht mit „Gefühlen“ zu irgendeiner Beziehung oder so.
      Ich muss auch gestehen, dass ich eine Spielgefährt*innenbeziehung abbrechen würde, wenn von der anderen Seite mehr Gefühle im Spiel sind – das würde dann asymmetrisch werden, es kämen Machtspiele rein usw. Das ist alles nicht einfach. Am einfachsten ist es tatsächlich mit Leute, bei denen die Beziehung (offen oder don’t ask don’t tell) nicht in Frage gestellt wird, sodass auch niemand auf die Idee kommt, sich irgendwelche Träume auszumalen) oder Leute, die – so ein bißchen wie ich – dermaßen in ihrem Leben versunken sind, dass sie keine Zeit haben (wollen) für eine Beziehung nach Bilderbuch.
      Aber ja, abweisen kann ich gut – vor allem, wenn Gefühle asymmetrisch sind. Das mag ich nämlich gar nicht, auch bei Freundschaften.
      Aber man weiß halt nie, wie sich Gefühle entwickeln…

      Die Spielgefährtin 🙂

      Gefällt 1 Person

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