Komm schon.

Ich finde Orgasmen unglaublich faszinierend. Als Kind habe ich über sie gelesen, bevor ich welche erlebt habe – und das Erleben war dann doch ziemlich anders, als das Gelesene, und auch die berichteten Erfahrungen von anderen. Das macht es noch faszinierender. Ich würde so gerne wissen, wie das für andere Menschen ist, aber das geht ja nun nur sehr unzureichend.

Als ich über Orgasmen gelesen habe, habe ich mir das das als ein unglaublich aufregendes und schönes Gefühl vorgestellt, das alles andere vergessen lässt und hinterher zufrieden und müde macht. Und das klar identifizierbar und irgendwie auch immer gleich ist. So oder ähnlich wurde es beschrieben. Und dann noch, dass „Männer“ dabei abspritzen und nur einmal kommen können, manche besonders glücklichen „Frauen“ aber mehrmals hintereinander, das heißt dann „multipler Orgasmus“. Weibliche Ejakulation kam nirgends vor.

Tatsächlich aber fühlen sich die Dinger doch sehr unterschiedlich an. Ich erinnere mich, gerade am Anfang, an Momente, als ich dachte: War’s das jetzt schon? Dass es manchmal schon fast unangenehm oder an der Schmerzgrenze war. Oder daran, dass ich sehr wohl was anderes dabei machen konnte oder sogar besonders schöne Orgasmen hatte, wenn ich geistig grade mit etwas anderem beschäftigt war. Dass ich quasi beliebig oft hintereinander kommen konnte und mich fragte, ob das wirklich so selten war. Mein damaliger Freund konnte übrigens auch mehrmals hintereinander kommen, irgendwann sagte er aber, es wird dann schmerzhaft. Einmal habe ich in einer „Frauenzeitschrift“ gelesen, dass der Rekord bei 25 Orgasmen in der Stunde läge. Das musste ich überprüfen, war nach einer dreiviertel Stunde bei 24, hatte aber dann auch wirklich keine Lust mehr.

Wie sich das anfühlt, hat sich auch über die Jahre ziemlich verändert. Am Anfang wollte ich das unbedingt, und bin da in so einer eher verkrampften Haltung hin gekommen – manchmal waren es auch andere, die unbedingt wollten, dass ich jetzt schnell komme und denen ich gefallen wollte.

Aber so Krampf-Orgasmen fühlen sich zum Beispiel sehr anders an, als entspannte Orgasmen. Sie sind in meiner Erfahrung häufig flacher. Und fühlen sich tendenziell unbefriedigender an. Das ist auch noch so eine Erfahrung, die nirgends geschildert wurde: Dass Orgasmus nicht gleich Befriedigung ist.

Entspannt hat sich bei mir noch eine andere Art von multiplem Orgasmus eingestellt, die nicht daraus besteht, dass es mehrere hintereinander gibt (zwischen denen es dann auch immer eine kurze Stimulationspause braucht), sondern dass sie einfach ineinander übergehen, wie Wellen, und es sich zwischendrin anfühlt, als würde das gar nicht mehr aufhören. Ziemlich cool.

Interessant ist auch, dass sich das Gefühl damit verändert, wie und ob ich mich bewege dabei, aber nicht immer gleich. Manchmal ist mit Bewegung besser, manchmal ohne. Und wenn ich das versuche zu steuern, wird’s eh meistens zu verkopft.

Gelesen hab ich auch von Leuten, die berichten, ohne körperliche Stimulation kommen zu können, und das ganze einfach im Kopf machen. Superspannend.

Ich wünschte, es gäbe Möglichkeiten, so unterschiedliches Orgasmus-Empfinden irgendwie wissenschaftlich aufzuzeichnen. Oder gibt es das? Um das selber zu machen, fehlt mir jedenfalls leider das biologisch-medizinische Wissen.

Aber drüber reden funktioniert ja immerhin auch ganz gut. Oder anders zeigen, zum Beispiel im Beautiful Agony Projekt (hier ist ein Sample davon).

Oder was meint ihr dazu?

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5 Kommentare zu “Komm schon.

  1. Dieser kleine Gott ist nur schwer zu erjagen ….

    Einen Mann, der mehrmals direkt hintereinander „kann“, habe ich noch nie erlebt. Zweimal hintereinander mit ganz kurzer Pause – das ja. Viermal in einer Stunde, auch. Aber das andere: nein.

    Ohne Berührung, nur mit dem Kopf: das kann ich nicht.

    Aber ich habe wundervolle, ekstatische Orgasmen erlebt mit Männern, wo ich dies nicht erwartet hätte; wo ich dachte: mit diesem Mann?

    Der weibliche Orgasmus ist viel besser als der männliche. Man spürt ihn kommen, langsam, in mehreren Wellen, und dann kommt dieser Sternenrausch, der ganz lange anhält. Das haben Männer nicht.

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    • Sorry, aber „den weiblichen Orgasmus“ gibt es nun wirklich nicht!

      Ich beneide meinen Partner fast immer um seinen Orgasmus – er kriegt verlässlich einen und sie scheinen (ich kann es ja nicht beurteilen) sehr toll zu sein. Und akustisch ist er spektakulär … wahrscheinlich wecken wir alle Nachbarn auf damit. 😀

      Ich hingegen muss mich abmühen und komme beim Vaginalverkehr nicht immer – auch nicht mit Vibrator. Und es sind bei weitem nicht alle befriedigend. Also bitte, freu Dich über Deinen Sternenrausch, aber schätze Dich glücklich, denn das hat sicher nicht jede Frau.

      Gefällt 1 Person

      • Ja, ich gebe Dir recht: ich komme auch nicht immer beim Verkehr. Aber auch ohne Orgasmus kann ich genießen. Ich finde es auch befriedigend, dem männlichen Orgasmus mit mir zuzuschauen. Ich empfinde das als Selbstbestätigung.

        Dass ich nach dem Sex mit Männern masturbiere kommt vor, den Abschluss möchte ich schon haben.

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    • nur weil der Mann abspritzt ist er befriedigt?
      das ist doch zu einfach!
      es gibt doch auch welche die da versuchen in andre Sphären zBsp per Prostatastimulation vorzudringen…..

      neeeee! meine O’s sind soooo verschieden. und ich habe auch ohne ganz tiefen und sehr befriedigenden Sex. ich mache es nicht daran fest.

      ich denke dass Entscheidende ist im Kopf frei zu sein um entspannt geniessen zu können.

      Gefällt 1 Person

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