Meine Erfahrungen mit Femme Bashing (und ja, dieser Post hat mit Sex zu tun. irgendwie.)

Zuerst wird dieser Text ein bisschen theoretisch, aber ich verspreche wir kommen noch dazu, wie ich als Hete mit einer anderen Frau* im Bett gelandet bin (oh, wie spektakulär ;))

Jetzt hab ich gleich mal einen Anglizismus in der Überschrift verwendet, vielleicht bedarf der einer kurzen Erklärung: „Femme“, ursprünglich aus der Lesbenkultur („Butch & Femme“) bezeichnet eine ‚weibliche’ Frau*, also eine die sowohl äußerlich oder auch in ihrem Verhalten dem ‚klassischen Rollenbild’ entspricht. „to bash“ heißt „fertigmachen, schlechtmachen“. ‚Femme Bashing’ bezeichnet also die Abwertung von Frauen* die dem traditionellen Bild entsprechen. Im Gegensatz zu einer generellen Abwertung der Frau, wie es in patriarchalen Gesellschaften üblich ist, unterscheidet diese Form der Diskriminierung (falls das Wort hier greift) zwischen verschiedenen Typen von Frauen*, dem traditionellen und dem, was vom Mainstream als unweiblich angesehen wird.

Das ist auch ein Fehler, der von Feminist_innen* häufig begangen wird; nur weil sich eine Frau* als Femme präsentiert heißt das nicht dass sie nicht emanzipiert wäre oder dem Patriarchat nicht kritisch gegenüber stünde.

Zurück zu meiner persönlichen Geschichte und zwar ganz weit zurück, in die Grundschule, Pausenhof. Ich war ein eher untypisches Mädchen* (muss ich Kinder überhaupt gendern?), ein Tomboy (schon wieder so ein Label), ich versuchte bei den Jungs anzukommen, indem ich mich prügelte und nie rosa trug…und ich sah definitiv auf andere Mädchen herab. Ich fühlte mich in meiner bemühten ‚Männlichkeit’ ihnen überlegen.

Das zog sich bis in die Unterstufe am Gymnasium, jetzt kam meine Anti-Pink Haltung plötzlich nicht mehr so gut an und Stück für Stück versuchte ich mich ein bisschen anzupassen, ich fand erstmals Freundinnen* und begann mich für Jungs* zu interessieren.

Wie die meisten tat ich eine Menge, um ihnen zu Gefallen und dann in der Mittelstufe bei meinem damaligen Freund entdeckte ich einen Trick, um mich wesentlich interessanter zu machen: Mich wieder über andere Mädchen* stellen.

Jetzt hieß das halt nicht mehr ihre Wendy-Rucksäcke und Abneigung gegen Fußball zu verspotten sondern darüber zu lachen dass sie heulten, wenn der Friseur ihnen fünf Zentimeter Haar abschnitt. Dass sie kein Bier tranken sondern Erdbeerwein (ja, das war damals der große Renner). Dass sie Themen wie Selbstbefriedigung peinlich fanden. Dass sie in hochhackigen Schuhen zur Party auftauchten und sie nach zwei Stunden wegen der Schmerzen wieder ausziehen mussten.

Aber ich ging noch weiter; ich fing an, andere Mädchen* sexuell zu objektifizieren.

Wenn du mit den Jungs* gemeinsam über den geilen Arsch einer Mitschülerin* reden kannst, einem Mädchen* auf der Straße hinterher siehst oder bei Flaschendrehen betonst, wie gern du sehen würdest, wie zwei anwesende Mädchen* sich küssen, macht das unglaublich interessant.

So etablierte sich langsam das Gerücht ich sei bisexuell und ich hatte keinerlei Interesse daran das zu ändern. Ich weiß nicht in wie vielen Dreier-Fantasien ich deswegen eine Rolle ergattert habe, aber ich war mächtig stolz darauf.

illu

Mittlerweile war ich 17, nun kam der Punkt an dem das Gerücht wie ein Fakt behandelt wurde und irgendwer hatte einer Lesbe aus seinem_ihrem Bekanntenkreis meine Nummer gegeben. Sie schrieb mich an und ich stand vor einer Entscheidung: Einerseits hatte ich die Chance die letzten Zweifler (inklusive mir, irgendwann glaubte ich es fast selbst) zu überzeugen und ich hätte eindeutig was zu erzählen, andererseits machte mir die Vorstellung ernsthaft mit einem Mädchen anzubandeln Angst, weil ich keine Ahnung hatte. „Close your eyes and think of England“, meine Taktik bei meinem ersten sexuellen Kontakt mit einem Mann damals mit 15,  erschien mir eher wenig erfolgreich ^^

Ich traf mich mit ihr. Um sicher zu gehen dass auch alle mitbekämen, dass ich es wirklich durchzog, gingen wir an dem Abend zusammen noch zu irgendeiner Hausparty, dann zurück zu ihr. Sie hatte ein riesiges Doppelbett und so lagen wir da, jede auf ihrer Seite, und sahen fern. Dann war der Film aus und ich bekam ein bisschen Panik, was nun passieren würde. Zunächst erzählte sie mir ausführlich von all ihren Ex-Loverinnen (seltsam) und zeigte mir die perlenbehangene Unterhose (nicht mein Geschmack), die sie von einer von ihnen zu Weihnachten bekommen hatte. Im darauf folgenden peinlichen Schweigen fasste ich mir ein bisschen Mut und kroch zu ihr unter die Decke. Wir zogen uns aus, küssten uns ein bisschen und dann — gar nichts. Ich erzählte ihr irgendetwas von wegen ich wolle noch nicht soweit gehen und schämte mich in Grund und Boden. Ich versuchte der Sache eine ernsthafte Chance zu geben und irgendetwas zu fühlen (chemiemäßig), aber da war nichts und am nächsten Morgen verließ ich ihre Wohnung mit der Erkenntnis, dass ich eindeutig hetero bin.

Das Erlebnis hatte den Effekt dass ich all meine Verhaltensweisen, die dazu geführt haben, hinterfragte und mit derartigen Dingen jetzt zurückhaltend umgehe, also vielleicht doch was Gutes. Ich will nicht mehr damit kokettieren, andere Frauen* fertig zu machen oder mich besser darzustellen als sie, nur um Männern* zu gefallen!

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2 Kommentare zu “Meine Erfahrungen mit Femme Bashing (und ja, dieser Post hat mit Sex zu tun. irgendwie.)

  1. oh ich wußte nicht, dass frau …..ich sag mal …..angefeindet wird weil sie wie eine aussieht und sich so verhält….ist mir noch nicht passiert. ich mag meine Weiblichkeit, große Brüste und eher üppige Rundungen, dennoch stehe ich vielen gesellschaftlichen Erscheinungen durchaus kritisch gegenüber und komme von meiner Geschichte her aus der linksradikalen Ecke……

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