ejakulieren lernen. ein erfahrungsbericht

ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin. wahrscheinlich war’s wieder dieses internet.

es gab auf jeden fall dieses diffuse gefühl, da müsste doch noch mehr sein können, als das, was ich kannte an sexualreaktionen von meinem genital (das leider immer noch keinen mir passend und schön vorkommenden namen hat): dass sich penetration schön anfühlt und orgasmen, die von irgendwie körperäußerer stimulation in kombination mit gedanken kommen und sich sehr unterschiedlich anfühlen.

aus irgendeinem grund bin ich also auf das thema weibliche* ejakulation gekommen. und habe gelesen, dass das nicht einfach bei menschen entweder auftritt oder nicht, sondern lernbar ist. dass es mit und ohne orgasmus passieren kann. und dass es bücher dazu gibt! 🙂

ich habe mir also – nerdy, wie ich bin – ein buch gekauft, nämlich “weibliche ejakulation und der g-punkt” von deborah sundahl. darin beschreibt die autorin unter anderem, wie sie für andere frauen* ejakulationskurse gibt und wie die ablaufen.

die schritte sind, soweit ich mich erinnere (das buch hab ich verliehen):

  • entspannen
  • g-punkt finden und stimulieren
  • pressen, als wenn man pinkeln wollte
  • loslassen
  • ejakulieren
  • feststellen, dass sich das zwar mitunter sehr ähnlich wie pinkeln anfühlt, aber nicht das gleiche ist: die flüssigkeit ist anders gefärbt (weiß, nicht gelb) und riecht anders.

ich habe das buch nicht zu ende gelesen, sondern einfach das “seminar” mit mir selber durchgeführt.

geklappt hat es zum ersten mal in meinem bett, sitzend. ich war alleine, hatte ein großes mehrfach gefaltetes handtuch untergelegt, meine finger benutzt und hinterher ein fettes grinsen im gesicht.

ich kannte das schon vorher, dass so “klitorale” orgasmen sich zwar toll, aber manchmal so unbefriedigend anfühlen, nach mehr schreien. ich dachte immer, nach penetration. aber eigentlich schreien sie nach ejakulation.

diese erfahrung hat mich dazu bewegt, mir einen g-punkt-stimulierenden dildo zu kaufen, um das ganze etwas zu erleichtern – mit dem finger fand es es ziemlich unpraktisch, den muss man immer so weit um das schambein (schon wieder so ein dummes wort für einen knochen, der gar nichts mit schämen zu tun hat) herum manövrieren.

damit konnte ich das ereignis quasi beliebig reproduzieren. außer, wenn ich nicht genug getrunken hatte, dann geht es nicht. es fühlt sich, wie die orgasmen, nicht immer gleich an. etwas unpraktisch fand ich, dass das immer so viel flüssigkeit ist, trotz dickem handtuch wird die matratze immer nass. also geh ich oft in die badewanne oder leg mich auf den boden oder den kunstledersessel, die trocknen schneller.

weil mich das thema so fasziniert hat, bin ich nochmal zu einem workshop dazu in meinem lieblingssexshop gegangen mit diana j. torres.

dort gab es weitere faszinierende fakten, von denen ich nichts wusste. zum beispiel, dass so eine vulva nicht zwei, sondern sechs körperöffnungen hat: die vagina und die harnröhre, aber außerdem noch zwei sehr kleine öffnungen neben der vagina, aus denen dieses körpereigene gleitmittel kommt und zwei ebenso kleine öffnungen neben der harnröhre, die zu der drüse gehören, die das ejakulat produziert, manchmal auch weibliche prostata genannt. und dass es tatsächlich ganz normal ist, dabei so viel flüssigkeit auszuscheiden, diana sprach von bis zu einem halben liter, wenn ich mich recht erinnere. auch gibt es wohl eine verbindung von dieser drüse zur blase, was sehr nützlich ist, denn so kann die blase nicht “genutztes” ejakulat einfach beim nächsten gang aufs klo ausscheiden.

zu diesen infos gab es einige wütend machende ausschnitte aus alten und aktuellen medizinbüchern, in denen weibliche* sexualorgane immer nur unvollständig abgebildet waren, der innere teil der klitoris und die drüse fehlten eigentlich immer. und anekdoten darüber, wie männer* auf das ejakulieren reagierten (manche fanden es toll, manche wurden wütend), und ein bisschen porn als anschauliches beispiel.

ich fand das alles enorm spannend.

was noch eine weile gedauert hat, war, das ganze auch mit partner umzusetzen. bis das das erste mal klappte, war über ein jahr vergangen. es war erstmal gar nicht so einfach, sich soweit zu synchronisieren, dass das mit der g-punkt-stimulation gut funktioniert hat. dazu kam ein bisschen rest-angst, dass ich ihn vielleicht doch anpinkeln könnte. und das mit dem loslassen können war zu zweit auch schwieriger.

mit einigem üben ging es also irgendwann auch und hatte nochmal eine andere qualität als ich das vom alleine machen kannte. es war komplizierter, durch das ganze miteinander synchronisieren aber auch intensiver, näher, und hat sich mehr wie orgasmus angefühlt. interessant fand ich, dass es sich für ihn anscheinend gleichzeitig gut anfühlt wie für mich.

was ich mich noch frage ist, ob das mit dem ejakulieren wohl bei mehr frauen*, häufiger und spontaner auftreten würde, wenn darüber mehr geredet würde, zum beispiel in verschiedenen “aufklärungs”-zusammenhängen. wenn es normaler (also genau das: innerhalb der norm dessen, was beim sex erwartet wird, nicht außerhalb) wäre und man sich nicht so sehr fragen müsste, ob man da nicht grade etwas sehr peinliches macht, nämlich ins bett (oder sonstwohin) pinkeln. würden frauen* am ende ebenso oft ejakulieren wie männer*? bei denen hängen ja orgasmus und ejakulation auch nicht unbedingt zusammen, und manche trainieren den orgasmus ohne ejakulation ebenso wie ich das ejakulieren geübt habe.

und wenn frauen* unter anderen voraussetzungen eher ejakulieren würden, heißt das, sie unterdrücken das eventuell unterbewusst?
ich bin mir relativ sicher, dass ich das getan habe, und teilweise auch immer noch tue, und ich glaube, das frühe wissen um meine ejakulationsmöglichkeiten in kombination mit einem gewissen selbstvertrauen hätten mir gelegentliche verkrampfungen und auch schmerzen bei der penetration erspart.

ich frage mich auch, ob es da nicht einen zusammenhang zu den häufigen blasenentzündungen gibt. auf diese idee hat mich deborah sundahl gebracht, die schreibt, dass sie kaum mehr blasenentzündungen hat, seit sie ejakuliert. von den ärzt_innen werden blasenentzündungen ja in zusammenhang mit penetrativem hetero-sex gebracht. aber die erklärung, dass dabei mehr bakterien als sonst in diese minikleine und ja auch ein bisschen entfernte harnröhre geschubst werden, fand ich noch nicht so doll überzeugend. warum soll das so ein penis eher tun, als hände oder dildos oder so? dass sich was entzündet oder sich die bakterien besser vermehren können, weil ich flüssigkeit zurückdränge, die eigentlich raus will, oder dass es da überhaupt einen zusammenhang gibt, halte ich zumindest für eine überprüfenswerte gegenhypothese. aber wenn es für die medizin sowas wie weibliche* ejakulation gar nicht gibt, oder sie als irrelevant eingestuft wird, kann das natürlich auch nicht untersucht werden…

wenn ihr dazu (oder allgemein zum thema) weitere infos oder erfahrungen habt, immer gerne her damit!

* das gender-sternchen soll darauf hinweisen, dass nicht alle menschen mit einer vulva weiblich sind oder ohne vulva männlich.

Edit: ich stelle mit mehr Übung fest, dass es im Bett einfach schlecht geht. Zu viel Sorge, die Matratze zu ruinieren oder im Nassen schlafen zu müssen oder auf jeden Fall Aufwand mit dem Trocknen haben. Glücklicherweise geht es aber im Stehen besonders gut, und auf den Fußboden muss weniger Rücksicht genommen werden.

Advertisements

5 Kommentare zu “ejakulieren lernen. ein erfahrungsbericht

  1. Hallo,
    ja, klar geht das! ich kenns als „squirten“……hab erstmal im joyclub drüber gelesen, es war dann irgendwo hinten in meinem Hirn vergraben, bis ich meinem jetzigen Ex traf, der mich quasi ‚angezapft‘ hat…..nun kann ich nicht mehr ohne, ich habe sogar dass Gefühl, dass es immer mehr wird. nicht immer von Vorteil, da muss frau schon Vorkehrungen treffen, Handtücher….viele….
    und ja, das „Abspritzen “ selbst ist bei mir nicht zwangläufig an einen Orgasmus gekoppelt.
    Ich kann es bei mir selbst auslösen, am besten mit Hilfe eines Vibrators. aaaaber es gibt auch Männer die einfach den Dreh raus haben…..( effektives fingern)….hhhrrrrrr, dann flutet es…..
    und ja, ich habe auchschon von der Theorie mit der Blasenentzündung gelesen.
    zudem halte ich es auch für vorstellbar, dass Frauen da etwas unterdrücken, ich kannte das Gefühl auch schon und spürte den Druck ( als müsste ich auf Toilette) , nur wusste ich es ja nicht besser……und war nicht frei genug, mich komp,ett fallen zu lassen. das ist dafür schon wirklich wichtig, denke ich. sich fallenlassen können für eine erfüllte Sexualität!

    ja, soviel dazu
    achso, ich bin mittlerweile 38 und squirte seit etwas mehr als zwei Jahren
    ja, übt es! es lohnt sich!

    Gefällt mir

  2. Kuckuck!

    Merci für den Text. Als Anmerkung und Ergänzung: Ich verstehe, dass es für Menschen mit Vulva wichtig sein kann, ejakulieren zu lernen, weil es sie ihrem Körper näherbringt oder auch einfach Spaß macht. Gleichzeitig ist da für mich als „natürlich squirtende“ Person, die das nicht an- und abschalten kann, immer auch die Angst, dass meine Partnerin*mein Partner mich deshalb abstoßend findet/glaubt, dass ich uriniere/… Weibliche* Körperlichkeit wird eben immer wieder auch als „eklig“ und „abnormal“ empfunden und benannt.

    Gefällt mir

    • hallo anonyme person 🙂
      ich fand deine anmerkung interessant. einerseits weil du tatsächlich da eine andere perspektive hast als ich und andererseits weil dein „einwand“ meinen gedanken zu dem thema gar nicht widerspricht, sondern in die gleiche richtung geht.
      ich weiß schon, was du meinst, aber würde hier nicht von „natürlichem“ squirten reden. ich squirte ja auch natürlich, nicht künstilich. ich finde das ejakulieren auch keinen netten zusatz zu meiner „natürlichen“ sexualität, sondern eben als genau etwas ursprünglich schon immer da gewesenes, zumindest als wunsch und möglichkeit, nur dass es nicht spontan passiert ist. das hat aber glaub ich eben sehr viel mit den einschränkungen zu tun, die du auch berichtest. nicht der norm entsprechende, als abartig empfundene weibliche körperlichkeit, die abschrecken kann. ich finde es für mich wichtig, das zu reclaimen oder so. als etwas tolles, was zu mir gehört, und mir entspricht und eben kein erlerntes kunststück ist, sondern ein ausdruck meiner lust.
      es ist bestimmt leichter, wenn man es je nach rahmenbedingungen auch sein lassen kann. aber was du beschreibst, gilt für mich auch, viel ist davon auch internalisiert und das finde ich besonders doof.
      ich glaub, der unterschied ist mehr ein quantitativer als ein qualitativer 🙂

      Gefällt mir

      • Hallo zurück! (:

        Ja, selbstverständlich. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass Du Squirting als nettes Accessoire auf Deinen Körper draufgesetzt hättest. Wie sollte das auch gehen, es ist ja ein Teil Deines Körpers. Ich wollte auch bestimmt keine Diskussion über Natürlichkeit führen. Ich hatte nur das Bedürfnis, meine eigene Erfahrung ebenfalls mitzuteilen und zu betonen, worüber wir uns ohnehin einig sind: dass die ejakulierende Vulva kein spannendes Experiment außerhalb der gesellschaftlichen Regeln zu Sex und Sexualität ist. Wie gesagt: kein Einwand, bloß persönliche Anmerkung.

        Gefällt mir

Mitdiskutieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s